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Station 3 der Alphaville-Tour 2011: Sehnde – exzellenter Sound, gutes Bier und Begeisterung!

Die Stadt Sehnde grenzt südöstlich an Hannover und ist mit ihren knapp 23.000 Einwohnern ein beschauliches Örtchen. Der Gutshof Rethmar, die dritte Station von Alphaville im Rahmen ihrer aktuellen „Catching Rays On Giant“-Tour, ist aber über die Stadtgrenze wohl bekannt und eine angesagte Location in der Region Hannover. Der zum Veranstaltungsraum umgebaute ehemalige Kornspeicher des Gutshofs überträgt das ländliche „Feeling“, das bei der Anreise durch die Umgebung automatisch entsteht, sehr schön auf die Konzertstimmung. Man erwartet etwas „Spezielles“, etwas „zum Feiern“, als Ausklang eines harten Arbeitstages.

Das Publikum ist sehr gemischt, sowohl die unter 30jährigen sind vertreten als auch die über 50jährigen. Die Erwartungen konzentrieren sich vor allem auf die alten Songs von Alphaville. „Big in Japan“ und „Forever Young“, auf diese Songs freuen sich die meisten „älteren Semester“ sehr, und äußern sich, mit der in Hannover weit verbreiteten Skepsis, den neuen Songs gegenüber eher verhalten - „mal schauen“ ...

Eine regelmäßige Besucherin des Gutshofs Rethmar, die über Plakate (die in Sehnde wirklich reichhaltig aufgestellt waren) auf das Alphaville-Konzert aufmerksam geworden ist, bringt es auf den Punkt: „Wir sind alle älter geworden, das ist normal. Ich möchte einfach einmal schauen, wie Alphaville jetzt aussehen und was sie spielen - darauf freue ich mich sehr!“

Die Anreisen einiger Konzertbesucher waren wieder beachtlich: So sah man sogar bekannte Gesichter aus Aurich, der junge Mann aus Lübbecke war so begeistert von dem Auftakt-Konzert, dass er heute wieder nach Sehnde anreiste. Ein junges Pärchen kam zusammen aus Osnabrück angereist, er sogar aus Nürnberg,  wo er vor fünf Jahren Alphaville schon einmal live gesehen hatte. Nach dem Konzert geht es aber „nur“ zurück nach Osnabrück (das Paar lebt in einer Fernbeziehung) und nicht ganz nach Nürnberg. Für eingefleischte Fans ist selbst die Anreise aus Österreich, den Niederlanden und Frankreich nicht zu weit, um ihre Idole ganz nah an der Bühne feiern zu dürfen.

Fast jeder Besucher verbindet seine eigene, ganz besondere Geschichte mit Alphaville. So mussten zwei Hildesheimer sich ihre ersten beiden Platten von Alphaville (damals gab es noch LPs, keine CDs) im wahrsten Sinne des Wortes „erhungern“. Sie kamen aus der ehemaligen DDR, und dort gab es die West-Platten nicht zu kaufen. Aber in Tschechien und Ungarn wurden sie fündig. Nur reichte das monatliche Einkommen und Urlaubsgeld nicht für den Kauf, somit legten sie einen Hungertag ein, um sich die so geliebte Musik kaufen zu können. Die Platten haben sie heute zum Konzert mitgebracht und hoffen sehr, sie nach der Show signieren lassen zu können.

Kurz vor Beginn des Konzertes ist die Halle inzwischen gut gefüllt, ca. 600 Personen. Als erster betritt David Goodes, der Gittarist, die Bühne und lässt die ersten Klänge von „End of the world“ aus dem neuen Album „Catching Rays on Giant“ erklingen. Dann folgt Drummer Jakob Kiersch, für den es heute fast ein Heimspiel ist, er kommt ursprünglich aus Hannover. Seine Drums stehen weit erhöht, knapp unter der Hallen-Decke, was das Bühnenbild sehr interessant gestaltet. Martin Lister und Alphaville-Neuzugang Bassistin Maja Kim entern unter Applaus die Bühne und dann auch ein sichtlich gut gelaunter Sänger Marian Gold. Es wird eine dynamische, voll mit Energie geladene Show. Zwar ist der Bewegungsfreiheit von Marian Gold aufgrund der recht kleinen Bühne eine natürliche Grenze gesetzt, aber der Sound in der Halle ist grandios. Selbst nahe der Bühne, wo in den meisten Locations oft nur Bässe und verzerrte Klänge zu hören sind, ist es ein musikalisches Erlebnis, dem typischen Alphaville-Sound lauschen zu können.

Die neue CD knüpft hier an die ersten CDs der Gruppe an: melodisch, poppig und elektronisch, aber mehrere Stücke live auch sehr rockig. Das gefällt dem Publikum, besonders zu den rockigen Nummern, wie „Gravitation Breakdown“, „Dance with me“, „Jet Set“ oder „Sounds like a melody“ (heute in einer besonders langen Version) klatschen und tanzen sie mit, nicht nur vorne an der Bühne, sondern in der ganzen Halle. Selbst auf der Empore, wo es auch Sitzplätze gibt, stehen die meisten auf.

Gitarrist David Goodes und Drummer Jakob Kiersch bieten eine beeindruckende und kraftvolle Einlage bei „Big in Japan“ (der Song wird anlässlich der aktuellen Ereignisse in Japan mit neuem Text gespielt) und leiten gekonnt zum nächsten Song „Apollo“ über. Band und Publikum feiern gut zwei Stunden lang zusammen, für eine Verschnaufpause ist kaum Zeit, obwohl Marian Gold zwischenzeitlich den Tipp gibt „Ihr habt hier wirklich gutes Bier“ (und meint das Gilde Ratskeller aus Hannover).

Die erste Zugabe reicht dem Publikum nicht aus, sie geben keine Ruhe und schaffen es durch Ihren anhaltenden Applaus wirklich, Marian Gold und Martin Lister noch für eine Unplugged-Version des Alphaville–Klassikers „Dance with me“ auf die Bühne zurückzuholen. In dieser präsentiert Sänger Marian Gold die Bandbreite seines stimmlichen Könnens, gespickt mit einigen spaßigen, philosophischen und ironischen Anmerkungen. Resümee einiger Zuschauer danach „Super Show, einfach super“!

Unter den begeisterten Zuschauern war übrigens auch der bekannte Dark Wave-Szene-DJ Kai Hawaii aus Hannover. Marian Gold und Kai Hawaii haben 2004 den Song "Für Dich" im Duett gesungen. Der Song ist bisher leider noch ein "Insider-Tipp" und wartet noch auf eine offizielle Veröffentlichung. Kai Hawaii plant diese aber weiterhin, vermutlich im Rahmen einer eigenen CD, worauf vielleicht auch ein weiteres Duett mit Marian Gold und Alphaville möglich ist - man darf gespannt bleiben.

Nächste Station der Alphaville-Tour wird Köln gleich am nächsten Tag (19.03.2011) sein, die Show ist hier bereits ausverkauft … tbc

Nicola Stobbe, imoe> music


Nicola Stobbe, imoe> music

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