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imoe> music Tour-Report

Station 6 der Alphaville-Tour 2011: München - extravagant und Power pur!

Die zweite Station im Süden führte Alphaville in die mit über 1,3 Mio. Einwohnern drittgrößte Stadt Deutschlands und Landeshauptstadt von Bayern, nach München. Auch am zweiten Frühlingstag zeigte diese sich von ihrer besten Seite, so dass eine gute Anreise vom knapp 400 km entfernten Aschaffenburg die lange Fahrt versüßt. Die Konzertlocation, das Freiheiz, war früher einmal die Turbinenhalle eines alten Heizkraftwerks. Diese wurde behutsam saniert, so dass durchaus noch die Atmosphäre einer Fabrikhalle zu spüren ist, und die Vorfreude, wie die 80er Synthie-Klänge und der neue Sound der aktuellen CD „Catching Rays on Giant“ von Alphaville hier klingen, im Publikum groß ist.

Das Freiheiz fasst rund 700 Besucher, war aber nicht ausverkauft. Die Halle füllte sich allerdings, je näher der Konzertbeginn rückte. Dennoch bemerkten einige Besucher, dass das heutige Konzert eher ein Insider-Tipp in München ist. Sie sind durch Zufall auf den Termin gestoßen, beim Stöbern auf der Eventim-Ticketservice-Seite oder über einen allgemeinen Musik-Newsletter. Dennoch kamen auch mehrere Besucher aus dem näheren Umkreis angereist, ein Besucher kam sogar extra aus Großbritannien, um seine Idole live sehen zu können.

Altersmäßig war das Publikum wie in den Stationen zuvor sehr gemischt, es überwogen die 30-50jährigen. Auffällig war jedoch die hohe Dichte extravagant gestylter Personen, es waren echte „Hingucker“ dabei, es geht um sehen und gesehen werden. Während des Konzertes spielte das Styling dann jedoch keine Rolle mehr, die Power-Show, die Sänger Marian Gold, Keyboarder Martin Lister, Gitarrist David Goodes, Drummer Jakob Kiersch und Bassistin Maja Kim wieder ablieferten, begeisterte alle. „Das wird eine geile Party heute“ rief Marian Gold dem Publikum kurz nach dem Start zu, und das wurde es auch.

Die Bühne war groß genug, so dass viele Drehwände zum Einsatz kommen konnten, die eine perfekte Light-Show ermöglichten. Es liefen abwechselnd Fotos und Videos im Hintergrund, so z.B. Feuerflammen oder Qualmwolken oder auch das grafikanimierte Video zur aktuellen Single „Song for no one (but myself)“. Dieser Song begeisterte das Publikum, das sich insbesondere die Präsentation der neuen CD für heute wünschte, sehr. Viele pfiffen die Melodie zusammen mit der Band mit und honorierten die Darbietung mit einem großen Applaus. Marian Gold genoss diesen mit ausgebreiteten Armen und zurückgelegten Kopf sichtlich: „Ich liebe dieses Geräusch“ … und grinste schelmisch seine Bandkollegen an, gönnte sich aber keine Pause, tanzte enthusiastisch von einem zum anderen Ende der Bühne und heizte die Zuhörer kräftig an. Die melodramatische Darbietung von dem „sterbenden“ Guardian Angel war ebenso beeindruckend wie die Stimmenvielfalt, die er insbesondere bei den Balladen „The Deep“, „Heaven on Earth“ oder während der Zugabe „Dance with me" (unplugged) darbot. Als die Stimme etwas heiser wurde und sich Marian Gold kurz räusperte, griff Keyboarder Martin Lister dieses spaßig auf, räusperte sich ebenfalls (er hatte schließlich auch bereits Gesangseinlagen gegeben, insbesondere bei dem düster und ein wenig nach Depeche Mode klingenden „Call me down“) und animierte das Publikum, sich auch zu räuspern. Diese kleine Einlage zeigte die gute Stimmung in der Band sowie den Spaß, den sie auch während der Show haben und der sich auf das Publikum automatisch überträgt.  

Alphaville präsentierten an diesem Abend natürlich hauptsächlich die Songs des neuen Albums, aber auch ein breites Spektrum ihrer Vergangenheit. Viele Konzertbesucher haben die gesamte Entwicklung von Alphaville verfolgt und kennen auch die CDs, die zwischen dem Erfolgsalbum „Forever Young“ in den 80ern bis heute veröffentlicht wurden. So wusste ein Zuschauer, dass die 2 Soloalben, die Marian Gold veröffentlicht hat, nur sehr schwer heute noch zu bekommen sind und wirkliche Raritäten sind. Einem anderen Besucher gefallen insbesondere die „düsteren Zeiten“ von Alphaville, die sie auf ihrer „Dreamscapes“-Tour Ende der 90er Jahre präsentiert haben. Einer anderen Besucherin gefallen dagegen die eher poppigen und fröhlichen Alphaville-Songs. Sie bekam die neue CD zu Weihnachten geschenkt und kann nicht genug von den Songs hören. Ihr Mann musste ihr extra noch einen mobilen CD-Player für die Küche kaufen. „Mit Alphaville kocht es sich gut, und selbst das Putzen macht Spaß“ erzählte sie freudig. Sie verbindet mit Alphaville insbesondere den wichtigsten Neuanfang in ihrem Leben. Sie und ihr derzeitiger Mann sind vor 13 Jahren zusammen gekommen, beide wurden vorher geschieden und haben damit ein altes Kapitel in ihrem Leben abgehakt. Umso mehr freut sie sich, dass Alphaville wieder da sind und sie ihre „Glücksbringer“ jetzt endlich einmal auch live miterleben kann.

Nach dem Konzert sah man viele glückliche Gesichter, Alphaville musste sogar noch eine zweite Zugabe geben. Hierzu kamen nur Martin Lister und Marian Gold auf die Bühne. Martin gab Marian einen freundschaftlichen Kuss und gemeinsam performen sie „Dance with me“ in einer langsamen unplugged-Version. Marian Gold philosophierte ein wenig: „Ich möchte die Vergangenheit vergessen, und die Gegenwart und die Zukunft… nein, man kann nur die Vergangenheit vergessen…. “ - aber das will in Hinsicht auf Alphaville im Publikum keiner!

Alphaville hat die erste Hälfte ihrer aktuellen Tournee bereits erfolgreich absolviert, die nächste Station ist Erfurt, aber erst nach einem Tag Pause am 24.03.2011 … tbc

Nicola Stobbe, imoe> music


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