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Station 11 der Alphaville-Tour 2011: Hamburg – vom Virus infiziert!

Der Wetterbericht hatte Bewölkung und Regenschauer vorausgesagt, doch die Sonne blieb der Alphaville-Tour „Catching Rays on Giant“ auch in Hamburg treu. Die mit knapp 2 Mio. Einwohnern zweitgrößte Stadt Deutschlands und siebtgrößte Stadt in der Europäischen Union war das vorletzte Konzert der aktuellen Tournee. Die Location, das Grünspan, liegt nahe der Reeperbahn, mitten in der „Großen Freiheit“ im Rotlicht-Viertel, das Mitte der Woche aber nicht sehr bevölkert war.  Doch vor dem Grünspan war schon vor Einlass viel los, und die Stimmung war bestens. Einzelne Alphaville-Songs wurden schon auf der Straße angesungen, was darauf hindeutete, dass viele eingefleischte Fans angereist waren.

So war es auch, Fans aus Schweden, Finnland und sogar Russland waren vor Ort und versammelten sich gleich direkt an der Bühne, um ihren Idolen möglichst nahe während des Konzerts zu sein. Auch ein weiteres bekanntes Gesicht zog es gleich zur Bühne. Eine der zwei Schwestern, die bereits das Alphaville-Konzert in Aurich besucht hatten, kam extra nach Hamburg angereist. Eigentlich war es ja ihre Schwester, die Alphaville-Fan war, aber der Live-Gig in Aurich hat sie richtig umgehauen, sie wurde dort vom Alphaville-Virus regelrecht infiziert. Am Folgetag war sie so heiser, dass es ihr kaum möglich war, Versicherungen per Telefon zu verkaufen. Seit dem Konzert läuft die aktuelle Alphaville-CD „Catching Rays on Giant“ rauf und runter bei ihr, und am vorherigen Samstag hatte sie sich zu ihrem 32sten Geburtstag extra einen Fotoapparat gekauft, um im Grünspan viele Erinnerungsfotos zu machen. Das Kribbeln im Bauch und die Vorfreude auf den Gig an diesem Tag waren für sie überwältigend.

Ein älteres Ehepaar aus Hamburg wartete ebenfalls gespannt auf den Konzertbeginn. Sie besuchen regelmäßig Live-Konzerte, da dort das Musikerlebnis besonders intensiv ist. Jedes Konzert ist einmalig. Wichtig für sie ist auch die Interaktion zwischen Publikum und Künstlern auf der Bühne. Wenn die Stimmung im Publikum gut ist, geben die Künstler erst recht alles, was sich dann immer weiter hochpusht. Was gar nicht geht, sind Konzerte im Sitzen. „Sitzen kann man noch genug im Altersheim“, meinte er. Auffällig für die beiden geübten Konzertbesucher ist auch, dass „ältere Künstler“ mehr Kondition haben, als z.B. DSDS–Newcomer, die maximal 90-Minuten-Shows (wenn überhaupt) hinbekommen. Die Live-Shows sind oft länger, James Last spielte z.B. mal über 3 Stunden. Die „Oldies“ gehen auch wesentlich besser auf das Publikum ein, „sie sind halt Profis“!

Zwei Freundinnen freuten sich vor allem auf einen bunten Mix von alten und neuen Alphaville-Songs. Sie haben neue Songs bei „You Tube“ gehört und finden den elektronischen Sound klasse. „Es klingt ein wenig wie Depeche Mode“ – somit dürfte beiden insbesondere die Live-Performance von „Call me down“ später im Konzert gefallen. Eine von Beiden hatte Alphaville auch auf der Kieler Woche schon einmal live gesehen und das „hat Geschmack auf mehr gemacht“, so dass sie sich bei Eventim über Alphaville-Konzerte per E-Mail informieren lassen hat.

Kurz vor Konzertbeginn hat sich das Grünspan, das 800 Besucher fasst, mehr als sehr gut gefüllt. Zwar war das Konzert nicht ausverkauft, aber mit ca. 700 Personen rechnete der Veranstalter. So standen die Menschen dann auch eng beieinander und bis in die Eingänge hinein. Selbst auf der Empore standen die Besucher mehrreihig, so dass man hinten eigentlich nur noch dem Sound lauschen konnte.

Sänger Marian Gold betrat dann die Bühne mit den Worten „Schön, wieder einmal hier zu sein, das wird eine geile Party!“ Das wurde es auch, die Hamburger waren bisher die aktivsten während der Show. Sie klatschten und tanzten sehr ausdauernd und scheuten sich auch nicht, in den Pausen ihre „Wunschtitel“ zu äußern. So wurde aus „Summer in Berlin“ dann aber doch „Carry your flag“ – „Für den „Summer“ ist es noch ein wenig früh“ antwortete Marian Gold. Aber auch „Carry your flag“ wurde ein sehr intensives Klangerlebnis, auch Marian Gold tanzte sehr intensiv und bewegte sich synchron zu den Wellenbewegungen des Songs. Das Publikum belohnte ihn mit einem heftigen Applaus zwischen den Stücken. Und Marian Gold fügte bedauernd hinzu „Hier ist unsere vorletzte Show, morgen noch Berlin und dann ist Feierabend – schade eigentlich!“.

Auch in Hamburg kam die fröhlich gemischte Set-List von alten und neuen Songs, Balladen und rockig schnellen Dance-Songs sehr gut an. Marian Gold und die Band enttäuschten das ältere Ehepaar sicher nicht, sie boten vom ersten bis zum letzten Song eine dynamische Power-Show, in der von Konditionsproblemen nicht ein Ansatz zu sehen war. Für Bassistin Maja Kim war es zudem ein Heimspiel, zwischen den Songs schallten „Maja“-Rufe durch den Raum.

Bei „Forever Young“ durfte das Publikum, insbesondere die Fans in der ersten Reihe, den Gesangspart übernehmen. „Es ist wirklich ein super Abend mit Euch, vielen Dank, auch im Namen der Band“ verabschiedete sich Marian Gold nach der zweiten Zugabe. Er bedankte sich auch herzlich bei Crewmitglied Andy, stellvertretend für die gesamte Background-Crew, „ohne die diese Show nicht möglich wäre! Wir nennen ihn übrigens „Vaddi“ fügte er liebevoll hinzu. Man spürt die gute Stimmung in der Band und der Crew bei jeder Zwischeneinlage, dem Zuschauer macht es einfach nur Freude, dieses zu beobachten.

Und dass aus den Elektro-Poppern der 80er Jahre eine perfekt professionelle Live-Band geworden ist, demonstrierte Alphaville bei dem deutschsprachigen Song „Leben ohne Ende“, den sie in der ersten Zugabe gespielt haben. Eigentlich war der Song zu Ende, aber das Publikum klatschte euphorisch weiter im Takt „klatsch- klatsch, klatsch- klatsch“ und hörte gar nicht auf. Das griff Drummer Jakob Kiersch auf, und unterstützte das Publikum im Rhythmus. Keyboarder Martin Lister ergänzt die Melodie, Gitarrist David Goodes den Gitarren-Sound, und Marian Gold und Maja Kim klatschen zusammen mit dem Publikum.

Es hat viel Spaß gemacht in Hamburg! Leider trübt das mehr als unfreundliche Sicherheitspersonal die beschwingte Laune des Abends beim Verlassen der Halle ein wenig.

Die Tour endet am Folgetag, 31.03.2011 in Berlin ... tbc

Nicola Stobbe, imoe> music


Nicola Stobbe, imoe> music

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