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imoe> music Tour-Report

Station 8 der Alphaville-Tour 2011: Gießen – steiniger Grund, aber gute Parkplätze!

Es war Freitag, somit mittlerweile kurz vor dem Wochenende, und es war weiterhin frühlingshaft. Gießen, mit ca. 75.000 Einwohnern die achtgrößte Stadt Hessens, stand im Alphaville-Tourkalender.  In den Hessenhallen präsentierten sie ihre aktuelle CD „Catching Rays on Giant“. Die Messehalle ist als Location sehr flexibel, z.B. was das Fassungsvermögen angeht, ist aber in Hinblick auf Konzerte als Ambiente nicht sehr ansprechend: steiniger und stumpfer Boden und recht „nüchtern“.

Die meisten Besucher gingen an diesem Tag ebenfalls mit einer eher nüchternen Einstellung in das Konzert. „Mal schauen, wie es wird!“ Sie sind über lokale Plakate, die lokale Presse und vor allem über das Internet (Eventim) auf das heutige Alphaville-Konzert aufmerksam geworden. Einige wunderten sich „oh, die Halle ist heute aber klein, ich hätte bei Alphaville einen größeren Ort erwartet – so wie bei U2 oder Depeche Mode.“ Andere meinten: „Alphaville sind für mich vor allem die 80er, meine Jugend“ und wenn sie hier sind, möchte ich sie mir einmal anschauen und mich überraschen lassen“. „Hier gibt es super Parkplätze, da kann man ja einmal hineinschauen“. Es waren auch viele eifrige Konzertgänger dabei. So ein Ehepaar aus dem näheren Umkreis von Gießen, das einfach gerne am Wochenende ins Konzert geht. Abwechselnd darf jeder mal bestimmen, wen sie sich anschauen, er wählt dann eher Gruppen wie Alphaville oder Roxette, sie eher Rockacts wie Bryan Adams oder Linkin Park.

Also auch für Sänger Marian Gold und Band an diesem Ta ein etwas steinigerer Boden, den es galt „aufzubrechen“ und die Herzen für die typisch melodischen und poppigen Alphaville-Sounds zu gewinnen. Während der ersten Stücke aus der neuen CD hörten die Gießener überwiegend einfach nur zu. Bei dem powergeladenen „Gravitation Breakdown“ zuckte es den Meisten dann doch schon in den Beinen, leichte Auf- und Ab-Bewegungen des Publikums waren auszumachen. Die Ballade „Heaven on Earth“ kündigte Marian Gold mit „This is beautiful, ich hoffe, Ihr hört es“ an. In „Carry your flag“ baute er ein „we love you“ für das Publikum ein, der Song ist für die Alphaville-Fans geschrieben, die der Gruppe seit inzwischen über 25 Jahren die Treue halten. Der geübte Zuhörer wird in jedem Konzert mit neuen Songvariationen überrascht, so dass jedes Konzert ein wirklich einmaliges Ereignis ist. Während dieses Konzerts interagierten Marian Gold und Keyboarder Martin Lister beim dark-groovigen „Call me down“ mit viel Spaß miteinander. Martin Lister begann mit der ersten Strophe, als Marian Gold zum Refrain einsetzte, sang Martin Lister zeitversetzt ein Backvocal, was den Song noch mehr pusht. Beide sangen den Song gemeinsam hinter den Keyboards von Martin Lister zu Ende und umarmten sich nach der gelungenen Performance. Eine Geste, die zeigt, wie gut die Band untereinander harmoniert – zur Freude der Zuhörer.

Natürlich raubten die fast täglichen Konzerte insbesondere Marian Gold die stimmlichen Kräfte. Doch das ließ er sich nicht anmerken, ganz im Gegenteil scherzte er auf der Bühne zu seinem Crew-Mitglied „Andy, mein Micro-Ständer wackelt so. Und wenn der wackelt ist, plötzlich meine Stimme weg“. Andy half sofort, und da klappte es auch mit der Stimme gleich wieder. In jedem Konzert bedankte sich Marian Gold bei seiner Crew, mit der er schon seit über 15 Jahren auf Tour ist. Zu dieser Power-Show gehört eben nicht nur die Band auf der Bühne, sondern ein ganzes Team, vom Licht bis zur Tontechnik, dem Merchandising, dem Management …

Es folgten zwei Tanz-Nummern. Die erste Strophe von „Golden Feeling“ wurde instrumental mit Sprechgesang-Einlagen performt, in der zweiten Strophe ließ Marian Gold mit seiner Stimme eine weitere Melodie einfließen, was dem Song ein ganz neues Gesicht verlieh. Gitarrist David Goodes ließ das folgende „Monkey in the moon“ mit besonders hart-rockigen Gitarrenklängen ausklingen. Dann wurde es wieder ruhig, David Goodes setzte sich auf einen Stuhl, Marian Gold kniete sich nieder und fragte das Publikum „Könnt Ihr mich dahinten noch sehen? Ich tauche gleich wieder auf“. Im folgenden „The Deep“ tauchte gleich die ganze Band mit auf – dieser eindringliche Song schien die Gießener dann wirklich zu „überraschen“, sie lauschten gebannt den intensiven Klängen.

„Bei manchen Songs muss man nicht nachdenken, was sie bedeuten sollen“ kündigte Marian Gold den nach Irish-Folk klingenden Song „Iron John“ an. „Seit dem letzten Konzert in …“– wo waren wir nochmal (Anm.: grinst und schaut fragend zu seiner Band) – ist dieser Song unser Trinklied. Daher werde ich jetzt diesen Becher auf „ex“ trinken!“ Gesagt, erfolgreich getan, lachend „kein Problem, das ist lange Erfahrung“! Drummer Jakob Kiersch stand auf und erhob anerkennend seine Wasserflasche zum „Cheers“!

Diese Showeinlagen, gepaart mit den beiden folgenden Klassikern „Victory of Love“ und „Sounds like a Melody“, überzeugten die Gießener nun wirklich. Sie tanzten und klatschten beschwingt mit. Insbesondere die harten Bassklänge von Bassistin Maja Kim machten „Sounds like a Melody“ zu einer härteren Rocknummer. Dieser Song ist im Laufe der Tournee auch ihr Song geworden – sie und Marian Gold rockten zu diesem Song richtig ab, zur Begeisterung des Publikums. Danach sangen Band und Publikum gemeinsam „Forever Young“. Letzteres sind die Gießener offenbar, denn sie ließen die Ankündigung des auf Deutsch gesungenen Titels „Blauer Engel“ – „diese Nummer haben wir geschrieben, als die meisten von Euch noch nicht geboren waren“ – nicht gelten und pfiffen. Gießen steht zu seinem Alter!

Während der ersten Zugabe wies Marian Gold auf eine weitere, ebenfalls an diesem Wochenende stattfindende Veranstaltung in den Gießener Hessenhallen hin: „Ich lese gerade hier „Erotik-Messe“ – bin ich in der falschen Veranstaltung gelandet? Naja, hey, Ihr seht ja alle ganz sexy aus, dann zieht Euch mal aus!“ – lachte, und das Intro zu „Big in Japan“ erklang. Die Gießener lernten, angeheizt durch David Goodes, den besonderen „Big in Japan“-Klatschrhythmus und tanzten, besonders auch beim anschließenden „Apollo“, ausgelassen.

So war die steinernde Halle nun doch noch „wärmer“ geworden, und die Band musste sogar noch eine zweite Zugabe geben. Eine zuvor skeptische Gießenerin kommentierte die gesamte Show mit „es war doch richtig klasse! Jetzt möchte ich noch ein Autogramm von Marian Gold“. Dafür wartete sie noch geduldig und erreichte ihr Ziel.

Die Tour geht nach einem Tag Pause am 27.03.2011 in Halle (an der Saale) weiter … tbc

Nicola Stobbe, imoe> music


Nicola Stobbe, imoe> music

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