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Station 10 der Alphaville-Tour 2011: Duisburg – gruftig erfrischend!

Die Sonne bleibt den Alphaville-Konzerten treu, auch in Duisburg beim 10ten Konzert der aktuellen Tour „Catching Rays on Giant“ zeigte sich der Frühling von seiner besten Seite. Die Halbmillionen-Stadt ist die fünftgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen. Der Gig an diesem Tag fand im Pulp-Event-Schloss statt. Es war die bisher ansprechendste Location der Tour. Schon von außen wirkte die Burg spannend, drinnen blieb der Burgcharakter erhalten, von den mittelalterlich wirkenden Ornamenten bis hin zu der Bestuhlung (Rittertische). Auch die Gastronomie hat sich dem Ambiente angepasst. Es gab Salate zur Selbstbedienung am Buffet und frisch gegrilltes Fleisch. Die Bars boten das gesamte Spektrum an Getränken. Auch die Band und Crew stärkten sich hier vor dem Konzert.

Die „Grotte“, in der das Konzert stattfindet, ist sonst eher Veranstaltungsort für die „schwarze Szene“ mit Dark Wave und Elektro-Musik. Auch an diesem Tag waren Musikliebhaber dieses Genres anwesend. Insgesamt war das Publikum jünger als bei den Konzerten zuvor, was vielleicht daran lag, dass das Pulp, obgleich es sehr vielfältig im Veranstaltungsprogramm ist, eher auf die jüngeren Generationen ausgerichtet ist. So meinte eine Besucherin aus Duisburg auch, dass ihr Sohn (19) total buff war, als er heute informiert wurde, dass seine Mutter ins Pulp ginge. Sie freute sich zusammen mit ihrer Freundin darauf, die Songs ihrer „Sturm-und-Drang-Phase“ einmal live erleben zu dürfen.

Ein Alphaville-Liebhaber war extra zusammen mit seiner Freundin aus den Niederlanden angereist (aus Kaatsheuvel, ca. 150 km von Duisburg entfernt).  Er hat über die Alphaville-Website (www.alphaville.info) von der Tour erfahren, und Duisburg liegt am nächsten an seiner Heimat. Natürlich würde er sich wünschen, dass Alphaville mehr in den Niederlanden spielen, aber zunächst freute er sich auf das Konzert. Sein Song-Favorit aus dem aktuellen Album „Catching Rays on Giant“ ist „Phantoms“, das leider nicht in der aktuellen Set-List dabei ist. Seine Begleiterin hatte mit ihrem Wunsch-Song „Forever Young“ hier mehr Glück. Für ihn bedeutet Alphaville vor allem „floating in the Milky Way and dreaming“. „Welche Band gibt es noch, die solche einmaligen Klänge produzieren wie Alphaville? Vielleicht noch OMD, aber dann kommt lange nichts“, so seine persönliche Einschätzung. Die Stimme von Sänger Marian Gold ist für ihn etwas ganz besonderes. Jetzt schnell noch ein Bier holen und dann geht es los.

Als Marian Gold die dem Publikum gegenüber recht erhöhte Bühne betrat, wunderte er sich zunächst „Ihr seid ja so weit weg!“. Doch dann startete die Show mit den Klängen des neuen Albums. Nach „Carry your flag“, einem Song für alle treuen Alphaville-Fans, freute er sich „Endlich ist der Hals frei“ - die vorherigen neun Power-Shows waren natürlich stimmlich auch eine Belastung. Den freien Hals demonstrierte er dann auch besonders beim Übergang von „I die for you today“ zu „Jet Set“, sein „heyahh“ erklang mit Nachhall-Effekt. Bei „Monkey in the Moon“ endete er den Song in der höchsten Tonlage und gab alles. Die super Stimmung im Publikum, das von Anfang an begeistert mittanzte und klatschte, griff er auf, indem er aus dem Titel der aktuellen Alphaville-Single „Song for no one (but myself)“ jetzt „Song for no one but yourself“ machte und hier auf das Publikum zeigte.

Spätestens ab der Ballade „The Deep“ gab es kein Halten mehr. Man trommelte automatisch mit zu den powervollen Drums von Schlagzeuger Jakob Kiersch. Bei „Victory of Love“ griff man automatisch zur Luftgitarre zu den rhythmischen Klängen von Gitarrist David Goodes. Marian Gold zählte den Song von „eins“ bis „acht“ aus, und zu den scharfen Elektrobeats gesellten sich „Schreie wie aus der Geisterbahn“ – eine gruftige Stimmung in der Grotte. Auch beim folgenden „Sounds like a Melody“ zu dem groovigen Bass von Bassistin Maja Kim blieb die Luftgitarre in den Armen. Am Ende des Songs erhoben sich diese aber automatisch, um zusammen mit Marian Gold, David Goodes, Maja Kim und Keyboarder Martin Lister, die nebeneinander auf der Bühne standen, in der Luft zu klatschen. Das imaginäre Keyboard spielte man zum Klassiker „Forever Young“.

Inbrünstig sang das Publikum dann auch noch einmal „Forever Young“, um Alphaville nach der Show zu ihrer ersten Zugabe wieder auf die Bühne zu holen. Sie spielten die B-Seite von „Big in Japan“ in deutscher Sprache „Leben ohne Ende“. Aber auch die A-Seite wurde natürlich gespielt, zur besonderen Freude der Besucher. Nach dem pompösen „Apollo“ sollte dann auch noch nicht „end of the show“ sein, Martin Lister und Marian Gold gaben noch ihre berühmte unplugged Version von „Dance with me“ als zweite Zugabe, da das Publikum Alphaville einfach nicht gehen lassen möchte. Auch an diesem Tag improvisierte Marian Gold die Strophen wieder und „jammerte“ über den „fucking lonely hotel room“ – „... Ihr seid so weit weg! Man soll nicht jammern, dann wird es immer schlimmer! Immerhin kann man am nächsten Tag wieder irgendwo singen und sein Anliegen loswerden! Das war jetzt mein ganzes Selbstmitleid (Anm. -lachte)!“. Und weiter „I had more hairs“ (grinste). Martin Lister rief „me too“, und beide sowie das Publikum lachten. Dann sang Marian Gold weiter: „Jetzt kommt die wirklich wichtige Frage – do you want to dance with me?“ – das Publikum schrie begeistert „JA!“.  Marian Gold: „Das ist ein merkwürdiger Zustand, Künstler zu sein. Du musst Dich selbst lieben! Ich liebe mich selbst – abgemacht!" .. und sang weiter „Dancing with myself because I am lovely, I am the greatest person on the world, and you, too (Anm.: zeigte auf das Publikum). And when you dance with yourself, dann könnt Ihr mit jedem anderen auch tanzen! Und das ist alles, was wir Euch heute Abend noch erzählen konnten! Ihr ward phantastisch, wir lieben Euch!“

Danke Marian Gold und Alphaville – wir lieben Euch auch! So gab es inzwischen mehrere im Publikum, die den Weg zu den Alphaville-Konzerten der aktuellen Tour bereits mehrfach fanden, so auch dieses Mal wieder Frank aus Lübbecke!

Die Tour geht nach einem Tag Pause am 30.03.2011 in Hamburg weiter … tbc

Nicola Stobbe, imoe> music


Nicola Stobbe, imoe> music

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