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Station 1 der Alphaville-Tour 2011: Aurich - und die optimistischen Deutschen

Auerk (so der plattdeutsche Ausdruck für Aurich), mit 40.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt in Ostfriesland, ist die erste Station der Alphaville-Tour 2011 „Catching Rays On Giant“. Event-Location ist die Stadthalle Aurich, die für nicht Ortskundige zwar gut ausgeschildert ist, aber doch etwas versteckt hinter einem Einkaufszentrum liegt. Die rund 800 Tickets wurden laut Abendkasse fast alle verkauft, die Halle selbst war ca. zu drei Viertel gefüllt, als Alphaville pünktlich kurz nach 20 Uhr starteten. Die Besucher kamen größtenteils aus der Region, aber einige nahmen auch längere Anfahrtszeiten in Kauf, von Lübbecke bis Lübeck, der Weg war nicht zu weit, um ihre Idole aus den 80ern live miterleben zu können. Aber viele Besucher wollten sich auch von den neuen Songs überraschen lassen, ihnen gefallen die aktuellen Singles „I die for you today“ und „Song for no one“ sehr gut, und diese möchten sie nun live erleben. Eine Auricherin beschreibt ihre alte Leidenschaft: „Alphaville lief bei mir in den 80ern rauf und runter. Als ich kürzlich in einem CD-Shop die neue CD entdeckte und reinhörte, war ich sofort wieder begeistert und habe mir diese gleich gekauft …“, sprach sie und hatte ihre um 10 Jahre jüngere Schwester im Schlepptau, die von der Musik auch schon angesteckt wurde.

Alphaville starteten dann auch gleich mit drei Songs aus dem neuen Album „End of the world“, „Call me“ und „The deep“. Dann nur eine kurze Unterbrechung mit einem alt bekanntem Song „Dance with me“ bevor mit „Gravitation Breakdown“, „Heaven on Earth“ „Carry your flag“, „Call me down“ (hier eine super Gesangseinlage von Keyboarder Martin Lister) und „I die for you today“ die Songs des neuen Albums weiterhin im Vordergrund standen. Der alte Hit „Jet Set“ gefolgt von der aktuellen Single „Song for no one“ rockten richtig, so dass auch die ruhigeren Vertreter im Publikum mitgerissen wurden.

Albtraum für jeden Künstler ist es, wenn in der Premiere Technikausfälle die geplante Show durchkreuzen. Dieser wurde leider für Sänger Marian Gold und Band wahr, aber hier zeigte sich, dass die Band super miteinander harmoniert und sich vom computerprogrammierten Synthie-Sounds zu einer erstklassigen Live-Band gemausert hat. Ein trotz allem super gelaunter Marian Gold schäkerte mit Band und Publikum, die gute Stimmung riss nicht ab, ganz im Gegenteil. „Dance with me“ und auf speziellen Wunsch des Publikums „Forever Young“ folgten als „unplugged Versions“.

Aufgrund der besonderen Ereignisse in Japan hat Marian Gold den Alphaville-Welthit „Big in Japan“ umgeschrieben und ging textlich auf die Umweltkatastrophe ein. „In Gedanken sind wir alle bei den Menschen in Japan“, das Publikum stimmte mit großem Applaus zu!

In der dann folgenden technischen Zwangspause gab es Gelegenheit, sich zu erfrischen. Es wurde über die Veränderung nach 27 Jahren Alphaville diskutiert, aber die meisten sind sich einig „eine super Show, die Songs machen Spaß“. Die zwei Auricherinnen, die ihre alte Liebe zu Alphaville ja mit der aktuellen CD schon wieder neu entdeckt hatten, nutzen die Pause, um weiter zur Bühne vorzurücken. „Hinten ist es ja ruhiger, halt typisch norddeutsch, aber vorne ist viel los, da möchten wir jetzt mitfeiern“. Gesagt, getan: Christian Mielke, der Manager von Alphaville, und Marian Gold verkündeten, dass es weiter geht. „Die Technik läuft wieder, wir probieren jetzt, unsere anderen geplanten Songs zu spielen. Wenn es dann immer noch nicht klappt, müssten wir leider aufgeben, aber hey… wir sind doch optimistisch, oder? Die Deutschen sind doch immer optimistisch“ rief Marian Gold mit einem Grinsen und Augenzwinker. Und so traf es ein, Teil 2 der Show übertraf in der Stimmung noch den ersten Teil. Zu „Golden feeling“, „Monkey in the moon“ und einem komplett neu arrangiertem „Victory of love“ (vom alten Forever Young-Album) tanzte nicht nur das Publikum, sondern auch Marian Gold. Die vergangenen Jahre merkt man ihm nicht an, er und die Band geben alles!

Es folgte ein Schmankerl der besonderen Art, ein alter aber bisher noch nie live gespielter Song „Iron John“ mit Dudelsack-Einlage brachte irisches Folk-Flair auf die Bühne. Mit „Apollo“ verabschiedete sich Alphaville dann für den Abend. Aber das Publikum gab keine Ruhe, bis die Band noch einen weiteren Überraschungssong als Zugabe spielten: „Blauer Engel“ in deutscher Sprache!

Dann war leider nach knapp 2,5 Stunden wirklich Schluss, im Gedächtnis bleiben die einmalige Stimme von Marian Gold, die genialen Keyboard-Sounds (und auch die tolle Stimme) von Martin Lister, die rockigen Gitarren-Sounds von David Goodes, die schlagkräftigen Drums von Jakob Kiersch sowie die Bass- und Keyboard-Einlagen von Neuzugang Maja Kim. Ein rundum gelungener Tour-Auftakt von Alphaville, der Vorfreude auf mehr macht! Die nächste Station ist Recklinghausen … tbc.  

Nicola Stobbe, imoe> music


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